Heine-Institut

2022 jährt sich der Geburtstag Heinrich Heines zum 225. Mal: ein schöner Anlass für ein Gespräch mit Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Instituts über den, im Jahre 1797 in der Stadt am Rhein geborenen großen Dichter.



Das Heinrich-Heine-Institut ist Archiv, Bibliothek und Museum - an welches Publikum richtet sich Ihr Angebot?
Die Aufgaben und Angebote des Instituts sind vielfältig. Als städtische Kultureinrichtung bieten wir Ausstellungen, szenische Lesungen, Fachvorträge und literarisch-musikalische Veranstaltungen für ein breites Publikum an. Wir wenden uns an alle Literaturliebhaber*innen, beispielsweise auch mit pädagogischen Mitmach-Angeboten für Vorschulkinder oder mit Führungen durch die Dauerausstellung „Romantik und Revolution“ für Schulklassen. Forschende finden in Archiv und Bibliothek umfangreiches Material für ihre Facharbeiten, Hausarbeiten, Doktorarbeiten und Habilitationsschriften.

Und dreht sich alles „nur" um den großen Dichter?
Neben den umfangreichen Quellen zu Heinrich Heine – über 70 Prozent aller weltweit bekannten originalen Handschriften befinden sich im Heine-Institut – beherbergen wir in zwei Handschriftenabteilungen über 120 Nachlässe und Sammlungen vom 17. bis 21. Jahrhundert. Die kulturellen Schätze auf der „Straße der Romantik und Revolution“ umfassen Nachlässe und Sammlungen zum Musikerehepaar Clara und Robert Schumann, zur Dichterin Rose Ausländer oder zum Schriftsteller Dieter Forte. Unsere Sonderausstellungen setzen regelmäßig Schwerpunkte rund um Heinrich Heines Leben und Werk. Darüber hinaus beleuchten die Sonderausstellungen auch Sujets und Persönlichkeiten aus dem Kontext der Sammlungen des Heine-Instituts.

Ab dem 5. Februar 2022 zeigen wir unter dem Titel "Rebellin des Jugendstils" unsere neue Sonderausstellung zu der Düsseldorfer Malerin Ilna Ewers-Wunderwald (1875-1957). Anhand von Nachlassmaterialien widmet sich die Schau ebenso der Kabarettdarstellerin, Modedesignerin und Weltreisenden: dem faszinierenden Leben einer emanzipierten Künstlerin.

Was macht Heine heute noch aktuell bzw. wie schaffen Sie den Bezug zur Gegenwart?
Heine spricht in seinen Werken universelle und zutiefst menschliche Themen an. Es lohnt sich, einen näheren Blick auf seine Haltung und seine Werte zu werfen. Im Jubiläumsjahr möchten wir gemeinsam mit Schriftsteller*innen und Forscher*innen einen Schwerpunkt auf das aktuelle Thema „Heine und die Menschenrechte“ setzen. Auch Heines frecher Humor soll nicht zu kurz kommen. Unser Ziel ist es, mit modernen Mitteln eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer erstellen die erste Graphic Novel zu Heines bewegtem Leben. Dieses Projekt, eine Gemeinschaftsarbeit von Heine-Institut und Heinrich-Heine-Gesellschaft, soll im Herbst 2022 in einer Ausstellung präsentiert werden.

Sie produzieren ja auch einen eigenen Podcast, wie kam es dazu, können Sie uns mehr über die neueste Episode erzählen?
Podcasts liegen voll im Trend. Wir haben mit unserem Podcast „Romantik und Revolution“ (https://romantikundrevolution.podigee.io/) einen Weg gefunden, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, ohne dass dieses vor Ort sein muss. In der ersten Ausgabe „Ausgezeichnet! Heinrich Heine sei Dank“ hat die Literaturkritikerin und Journalistin Christine Westermann mit mir über die Aktualität der Reden der Heine-Preisträgerin A.L. Kennedy und der Heine-Ehrengaben-Preisträgerinnen Herta Müller, Alice Schwarzer und Ruth Klüger gesprochen. In der neuesten Folge sind Paula Luy und Victor Maria Diderich zu Gast: Die beiden Studierenden der Kölner Schauspielschule DER KELLER haben bei der Premiere unserer neuen Veranstaltungsreihe „Gute Nacht, Harry!“ aus meinem Buch „Ja, die Weiber sind gefährlich! Heine und die Frauen“ gelesen. Unter dem Motto „Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder minder schön“ geht es um Heines erste Liebe, seine Ehefrau und seine letzte Verehrerin.

Vielen Dank für das Gespräch!



Das Institut ging 1970 aus der Handschriftenabteilung der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf - vormalig Kurfürstliche, dann Königliche Bibliothek - hervor. An die vielen tausend „mächtigen Bücher“ erinnert sich Heine in „Ideen. Das Buch Le Grand“ von 1826 zurück. Mit seinen umfangreichen Archiv- und Bibliotheksbeständen ist es ein Zentrum der internationalen Heine-Forschung und bietet darüber hinaus weitere Sammelschwerpunkte als Grundlage für unterschiedlichste wissenschaftliche Zugriffe.

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