DAS LITERATURHAUS MÜNCHEN

Deutsches Literaturarchiv Marbach – eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit

Wo literarisches Erbe ein Zuhause findet
Literaturmuseum der Moderne Auf der Schillerhöhe in Marbach am Neckar, dem beschaulichen Geburtsort des Dichters, befindet sich ein weitläufiges Museumsareal – das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA). Das 1955 gegründete Institut bildet den Mittelpunkt des literarischen und kulturellen Lebens in der Region. Als eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit und als größtes deutsches Archiv in freier Trägerschaft erfüllt das DLA vielfältige Aufgaben: Es bewahrt, erschließt, erforscht und vermittelt wertvolle Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte von 1750 bis in die Gegenwart. Damit richtet es sich sowohl an ein großes, literaturinteressiertes Publikum als auch an internationale Fachleute und Forscher. Getragen vom gemeinnützigen Verein Deutsche Schillergesellschaft unterhält das DLA heute das Archiv im engeren Sinne, eine Bibliothek und zwei große Museen, die ausschließlich der Literatur gewidmet sind: das Schiller-Nationalmuseum und das Literaturmuseum der Moderne.

Literaturmuseum der Moderne

Im Archiv liegen rund 1.400 Nachlässe und Sammlungen von Autoren, Gelehrten und Philosophen, über 20 Archive literarischer Verlage (darunter Cotta und Suhrkamp), über 450.000 Bilder und Objekte. Hier finden sich Bestände von Franz Kafka und zahlreichen Schriftstellern des Exils, von Autoren wie Nelly Sachs und Paul Celan. Die Bibliothek umfasst 180 Autoren- und Sammlerbibliotheken; sie ist mit 1,4 Millionen Medieneinheiten die größte Spezial-sammlung zur neueren deutschen Literatur. Die beiden Museen präsen-tieren die Bestände des Hauses in wechselnden Ausstellungen. Schwerpunkte werden in diesem Jahr u.a. das Wirken Thomas Manns im amerikanischen Exil und die Literatur des Kolonialismus sein. Das DLA will – in Form von Forschung, Ausstellung und Bildungsprojekten – die politisch folgenreichen Verwicklungen von Literatur, öffentlicher Debatte und Afrikapolitik im deutschen Kaiserreich erkunden. Das Projekt bietet eine besondere Chance, die eigenen Sammlungen und den eigenen regio- nalen, nationalen und globalen Auftrag zu reflektieren.



Prof. Dr. Sandra Richter Seit Jahresbeginn 2019 leitet Prof. Dr. Sandra Richter das DLA. Wir haben die Literaturwissenschaftlerin zu ihren Plänen und den besonderen Herausforderungen ihrer Arbeit befragt.

Was reizt sie besonders an Marbach? Was sind die großen Herausforderungen für die Zukunft?
Das DLA ist eine Kultstätte der Lite-ratur. Diese Literatur aber scheint ihr Publikum zunehmend zu verlieren – oder genauer: Das Publikum wendet sich anderen Medienangeboten zu. Lesen ist schließlich aufwendig, anspruchsvoller als das Konsumieren von Kurznachrichten oder Filmen. Wir werden versuchen, das bildungsbürgerliche Publikum ebenso wie junge Leser für Literatur zu begeistern. Ich freue mich besonders, dafür mit den vielen Literaturexperten und Literaturfans zusammenarbeiten zu können, die sich in Marbach tummeln. Vielleicht gelingt es uns sogar gemeinsam, dem literaturfernen Publikum etwas vom Marbacher „Esprit“ mitzuteilen. Das wäre mir ein besonders wichtiges Anliegen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen bzw. möchten Sie empfehlen?
Meistens lese ich ältere Bücher und diese immer wieder. Heute liegen Friedrich Schillers „Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“ vor mir. Sie scheinen mir aktuell wie selten. Schiller schreibt nämlich im Ausgang von der Französischen Revolution und fragt sich, warum diese nicht die erwünschte Freiheit hervorgebracht hat. Die Antwort liegt in der Natur des Menschen, in seinen allzu menschlichen Schwächen. Einen Weg zur Freiheit sieht er in der Kunst: Sie soll dem Menschen erlauben, sich ganz zu betrachten und zumindest in einem geschützten Raum frei zu sein. Schillers „Briefe“ sind vieles: Reflexion ihrer Zeit, zugleich aber auch ein Buch, das mitten in die Spannungen der Gegenwart hineinführt.

Sie sind selbst Autorin. Sind weitere Bücher geplant?
Immer. Und immer wieder andere. Der Prozess des Schreibens ist mir wichtig, weil er es erlaubt, Neues zu erfahren und im Schreibfluss (so er denn eintritt) Gedanken zu klären. Wenn ich nicht schreibe, werde ich unleidlich, weil sich Unverarbeitetes aufstaut. Aktuell spiele ich Ideen für ein neues Buch durch. Wenn mich eine davon packt, schreibe ich los.






Prof. Dr. Sandra Richter
Geboren in Kassel, Studium der Germanistik, Politikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie in Hamburg, Promotion in Gießen, Habilitation in Hamburg, Gast an der École normale supérieure in Paris, der University of London, der Renmin University Peking, vielfach ausgezeichnet, u.a. Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2005, Philip Leverhulme Preis 2007;

Professorin für Deutsch am King’s College London, ab 2008 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Stuttgart. Zuletzt erschienen: Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur (C. Bertelsmann 2017)




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