Literaturhaus Freiburg

Ein Ort für Worte, Feste und Gespräche

Das Literaturhaus Freiburg – Einladung an die Waghalsigen
Literaturhaus Freiburg „Liebes Literaturhaus, es ist wunderbar, dass es dich gibt“, schreibt der Freiburger Fußballlehrer Christian Streich. Einer von vielen Einträgen auf den ersten Seiten unseres Gästebuchs. Von einem, der das Lesen damit vergleicht, in immer neue Räume einzutreten – und dann sei man plötzlich in Marseille oder Istanbul oder Emmendingen.

Am 22. Oktober 2017 hat das Literaturhaus erstmals seine Türen in der Freiburger Stadtmitte geöffnet. Das Motto: Einladung an die Waghalsigen. Als Einladung an alle, die noch nicht lesen können. Alle, die nicht mehr lesen wollen. Die Familien. Die Omas, die Opas. Fans, Freunde und den ganzen großen Rest. Seitdem ist das Literaturhaus in der Stadt angekommen, mit über 100 Veranstaltungen jährlich – und immer neuen Gästen. Ob an jenem übervollen Sonntag im November 2017, an dem Streich den Preis „Bücherfreund“ erhielt, ob an Vormittagen mit Schulklassen, an Nachmittagen mit Schreibwerkstätten, an langen Abenden oder kurzen Wochenenden. Ob mit Freunden oder Künstlern, allein oder in Gesellschaft. Das Literaturhaus in Freiburg ist ein Ort für Worte, die wandern, und Wege, die sich kreuzen.



Julia Draganovic „Erlebtes verschwindet in der Zeit und taucht wieder auf in der Literatur ... Dabei habe ich immer prüfen müssen, ob das unwirklich Erfundene sich das wirklich Geschehene vorstellen kann.“ So beschreibt Herta Müller die Wege der Erinnerung, die Umwege und Irrwege des Schreibens. Mit der deutsch-rumänischen Nobelpreisträgerin eröffnete im letzten Jahr eine Autorin das Freiburger Literaturgespräch, die das Überleben im Weiterschreiben gefunden, die Lebensangst in Worthunger verwandelt hat – und die ihre Stimme immer wieder den Abwesenden, den zum Schweigen Gebrachten widmet. 30 Jahre lang veranstaltete die Stadt Freiburg das traditionsreiche Literaturfest, mit dem Literaturhaus hat es eine neue Heimat gefunden.

Die 33. Ausgabe des Literaturgesprächs brachte in diesem November Europa nach Freiburg. Nach dem Start mit Büchner-Preisträgerin Terézia Mora befreiten die jüngsten Leser das Nilpferd aus dem Leuchtturm, zog ein melancholischer Sammler ins Museum für Neue Kunst ein, traf der zurzeit opulenteste Roman auf das wohl schlankste Gesamtwerk Norwegens. Das Festival führte durch aufregende Neuerscheinungen des Jahres – mit Stimmen aus Bosnien, Österreich, Tschechien und Deutschland – und zum Finale auf eine „Grand Tour“ durch die junge Lyrik Europas.

Das Literaturhaus-Programm lebt von wagemutigen Grenzgängen: In den ersten beiden Jahren wurde hier ausgestellt und diskutiert, gesungen und konferiert. Am Anfang stand ein Wort, das entdeckt werden will – Gautschätä. In der Fachsprache der Papiermacher bezeichnet „Gautschen“ das Herauspressen von Wasser aus Papierbahnen und den Übergang von Lehrlingen in den Gesellenstand. Der alte Brauch der Buchdruckertaufe wird in der Schweiz als „Gautschätä“ zelebriert. Unsere erste Pop-up-Gautschätä, als Ausstellung für eine Woche im Juni 2018 geöffnet, feierte den legendären „Swiss Style“ in der Schriftkunst unserer Nachbarn. Es folgte die Schau „Poesie im Weltformat“ zu Schweizer Plakatkunst in diesem September, und wir freuen uns schon jetzt auf „Schönste Schweizer Bücher“ im Winter 2020.

Im Sommermonat August ist das Literaturhaus übrigens geschlossen. Dann radeln wird mit unserem mobilen Lese-Kiosk „Freileser“ in Freiburgs Freibäder. Im Gepäck: Comics, Kinderbücher und jede Menge Ideen.






Ausgewählte Programmhöhepunkte

4. Dezember 2019:
Lange Tafel – Bei Suppe und Brot mit Bücherfreund*innen




10. Dezember 2019:
Durchs Bücherjahr mit … Susanne Bader, Jens Burde, Iris Wolff und Martin Bruch




12. Dezember 2019:
Lyrik ist Happening: Felix Schiller – Mit Munka Klangkollektiv feat. Südufer-Chor Freiburg




13. Dezember 2019:
Eine unendliche Geschichte – Wilder Freitag als Taschenlampen-Lesung (ab 8 Jahren)




18. Dezember 2019:
Peter Stamm: Marcia aus Vermont – Langstreckenlesung




19. Dezember 2019:
Literarisches Werkstattgespräch – Offene Textwerkstatt




30. Januar 2020:
Nora Bossong: Schutzzone – Lesung und Gespräch mit Christoph Schröder




Literaturhaus Freiburg
Bertoldstraße 17
79098 Freiburg
www.literaturhaus-freiburg.de

Text: Martin Bruch Fotos: Marc Doradzillo, Alexandra Heneka, Christoph Eberle
schönerlesen Gmbh
Wieblinger Weg 92a
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