Mit ihren preisgekrönten Romanen für Jugendliche und Erwachsene führt die gebürtige Wienerin und ehemalige Medizinjournalistin immer wieder die Bestsellerlisten an. Ihr Debüt „Erebos“, für das Ursula Poznanski zahlreiche Auszeichnungen wie den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, machte sie international bekannt.

Mit „Stille blutet“, ihrem neuen Thriller, sorgt die Bestseller-Autorin mit einer bizarren Mordserie wieder einmal für pure Gänsehaut. Wir freuen uns, dass sich Ursula Poznanski neulich die Zeit nahm, mit uns über ihr neues Buch zu sprechen.


Liebe Ursula Poznanski, Ihre Thriller erwarten wir immer mit großer Vorfreude und machen dann, sobald wir das Buch in den Händen halten, eins, zwei Tage lang nichts außer zu lesen. Erzählen Sie uns kurz, wie Ihnen die Idee zu „Stille blutet“ kam und um was es geht?
In „Stille blutet“ geht es um Menschen, die – manche mehr, manche weniger – in der Öffentlichkeit stehen, und ihre eigene Ermordung ankündigen. Eine Nachrichtensprecherin etwa, die in ihrer Sendung verkündet, dass sie in Kürze Opfer eines Verbrechens werden wird, das dann auch tatsächlich stattfindet. Auf den Gedanken kam ich irgendwann beim Scrollen durch die Sozialen Medien, es war eine klassische „Was-wäre-wenn“-Idee.

Können Sie ohne Spoiler den Titel „Stille blutet“ näher erläutern?
Die Worte stammen aus einem Gedicht von Georg Trakl, „An die Verstummten“, das habe ich gewissermaßen filetiert und die einzelnen Zeilen bestimmten Kapiteln vorangestellt. Der Titel hat nicht unmittelbar mit der Handlung des Buchs zu tun, sondern ich habe ihn gewählt, weil er atmosphärisch so gut passt.

Das Mordopfer verbreitet über Twitter & Co. Bösartigkeiten und der Hauptverdächtige erlebt einen Internet-Shitstorm vom Feinsten. Was war Ihr Antrieb, die Macht der Medien, insbesondere von Social Media zu einer treibenden Kraft des Thrillers zu machen? Haben auch Sie bereits eigene unschöne Erfahrungen mit Onlineberichten und Social Media gemacht?
Ich bin von Shitstorms bisher zum Glück verschont geblieben, aber mir ist klar, dass ein kleiner Anlass genügt, um das zu ändern. Soziale Medien können eine unglaubliche Wucht entfalten, das lässt sich regelmäßig beobachten und wie alles, was so große Emotion und Wirkung hervorrufen kann, eignen sie sich wunderbar dafür, in Spannungsromanen eine Rolle zu spielen.

Die Macht der Bilder: Welche Bilder sehen Sie beim Schreiben vor Ihrem geistigen Auge?
Im besten Fall habe ich die Szene fast filmisch vor Augen, aber das ist nicht durchgehend so. Fast noch wichtiger ist es mir, die Stimmung einer Situation zu fühlen und die Emotionen der Figuren selbst zu durchleben, um sie authentisch beschreiben zu können. Bilder sind wichtig, aber interessanterweise sekundär.

Stehen Story, Charaktere und die Auflösung bereits fest, wenn Sie mit dem Schreiben beginnen?
Auflösung und Charaktere ja, die Story nur grob. Die Ideen, die ich beim Schreiben habe, sind meist besser als die, die ich mir vorab zurechtlege. Aber was die Auflösung angeht, die muss ich kennen, bevor ich zu schreiben beginne. Alles andere würde mich extrem nervös machen.

Bei der ganzen Spannung, mit der Sie sich als Thriller-Autorin beschäftigen: Können Sie ruhig schlafen?
Also, meine eigenen Plots rauben mir nicht den Schlaf. Wenn ich schlecht schlafe, liegt das an viel realeren Ereignissen, und von denen bekommen wir derzeit ja mehr als genug geliefert.

Verraten Sie uns Ihre Lieblings-Thriller- oder -Krimi-Autor:innen?
Da gibt es viele, aber um nur ein Autorenduo herauszupicken: Ich verpasse keinen Krimi von Hjorth/Rosenfeldt. (Anmerkung der Redaktion: „Die Früchte, die man erntet“ erscheint am 15.11. als Taschenbuch – jetzt vorbestellen auf genialokal.de)

„Stille blutet“ ist der Auftakt einer neuen Reihe. Wie lange müssen wir uns gedulden, bis wir zusammen mit Fina Plank in Wien wieder ermitteln dürfen?
Ich schreibe gerade am nächsten Teil, der im kommenden Frühjahr erscheinen soll.

Herzlichen Dank für das Gespräch.




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Stille blutet

Stille blutet
Ursula Poznanski
Knaur
Taschenbuch, 400 Seiten
978-3-426-22689-6
Euro 16,99