Villa Massimo

Künstlerresidenz im Herzen der Ewigen Stadt

Deutsche Akademie Rom – Villa Massimo
villa massimo Rom: Ewige Stadt, lärmende Metropole und Sehnsuchtsort. Ruhig gelegen in einem fast vier Hektar großen, malerischen Park im Nordosten der Stadt findet man den wohl wichtigsten Ort deutscher Kultur im Ausland: die Villa Massimo. Seit über 100 Jahren beherbergt die Residenz Künstler aus Deutschland – das Stipendium ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen Deutschlands für Künstler. Die Liste der Ehemaligen ist lang – zu den literarischen Gästen zählten u.a. Hans Magnus Enzensberger, Sarah Kirsch, Bodo Kirchhoff, Herta Müller, Friedrich C. Delius, Navid Kermani, Sibylle Lewitscharoff und Eva Menasse. 1913 hatte der Berliner Unternehmer und Kunstmäzen Eduard Arnhold die Villa dem preußischen Staat zusammen mit einem großen Stiftungsvermögen geschenkt. Hier sollten Künstler durch das Studium antiker Vorbilder neue Inspirationen finden. Heute versteht sich die Deutsche Akademie in Rom als Oase der Kreativität für hochbegabte Kunstschaffende aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Literatur und Architektur. Der Studienaufenthalt, eingebunden in das italienische Kulturleben, soll Ihnen Freiraum, Inspiration und künstlerische Orientierung ermöglichen, frei von finanziellem Druck. Die Akademie besteht aus dem Haupthaus in Rom und einer kleineren Dependance, der Casa Baldi in Olevano Romano. Die Studiengäste leben und arbeiten in der Tiber-Metropole in großzügigen Ateliers mit angegliederten Wohnungen. Das Studienjahr beginnt jeweils im September und endet im Juni des Folgejahres. Die von einer nationalen Jury ausgewählten Stipendien werden von der Beauftragten für Kultur und Medien vergeben. Mit neuem Erscheinungsbild und einem vielseitigen Programm hat sich die Deutsche Akademie seit der festlichen Wiedereröffnung 2003 in Rom und Italien neu positioniert und an Bekanntheit gewonnen. Zweimal im Jahr werden die Ateliers der Stipendiaten für Präsentationen geöffnet, daneben dient die Galerie der Villa Massimo als Schaufenster des künstlerischen Schaffens.



Julia Draganovic Nach dem Abschied des langjährigen Direktors Joachim Blüher leitet seit Juli 2019 Dr. Julia Draganovic, zuletzt Chefin der Osnabrücker Kunsthalle, die Akademie. Wir haben die Literatur- und Kunstwissenschaftlerin zu ihren Plänen befragt:

Sie waren in Italien unter anderem an der Galleria d‘Arte Moderna in Modena, im PAN, Palazzo delle Arti in Neapel, für die Kunstmesse Arte Fiera und den Internationalen Preis für partizipatorische Kunst in Bologna tätig. Was reizt Sie besonders an der neuen Aufgabe?
Die Villa Massimo ist ein Ort der Kontemplation und Produktion für die größten internationalen Talente Deutschlands. Rom bietet dafür einen idealen Boden und ich freue mich sehr darauf, in Zukunft als Möglichmacherin Frei- und Kreativräume für diese Menschen mit so verschiedenen Visionen und Ideen in einem an Stimuli so reichen Land tätig sein zu dürfen.

Die Stipendiaten der Akademie verbindet außergewöhnliche Qualifikation und großes Talent – in ganz unterschiedlichen künstlerischen Bereichen. Wie schaffen Sie die Grundlagen für ein inspirierendes Miteinander und positive künstlerische Impulse?
Die Liegenschaften der Villa Massimo mit den großen Studios, Wohnungen für die Familien der Künstler mit eigenen kleinen Gärten inmitten eines Parks mit einer Galerie und dem Haupthaus, das eine Bibliothek und Veranstaltungsräumlichkeiten bereit hält, bieten schon eine sehr gute Grundlage für kreatives Schaffen. Meine Aufgabe besteht darin, Rom und seine Menschen für die Stipendiaten zugänglich zu machen, die verschiedenen Kulturschaffenden und -institutio-nen in ein Netzwerk gegenseitigen Interesses einzubinden. Das geschieht einerseits durch verschiedene Formate des Zusammenkommens, durch künstlerische Präsentationen, Vorträge und Gespräche, durch Besuchs- und Besichtigungsprogramme, aber auch durch die Herstellung von „peer to peer“ Kontakten.

Was sind die größten Herausforderungen für die kommenden Jahre?
Mir liegt sehr an einer engen Vernetzung, an der gegenseitigen Inspiration von Gästen und Einheimischen. Die Begegnung und der Umgang mit sowie die Aufnahme von Fremden wird in Italien bekanntermaßen momentan sehr kontrovers diskutiert. Als deutsche(r) StaatsbürgerIn oder Gast des deutschen Staates genießt man hier zweifelsfrei ein großes Privileg. Aber als Heimstätte für temporäre Lebensgemeinschaften zwischen Menschen, die nicht unbedingt dieselbe Nationalität haben müssen, bietet die Villa Massimo ein Experimentierfeld, das gerade in Italien Modellcharakter gewinnen könnte. Das ist eine große Herausforderung und ich setzte dabei sehr auf persönliche Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen.

Die deutsch-italienischen Kulturbeziehungen sind Ihnen seit vielen Jahren ein großes Anliegen – wie steht es um diese und wo möchten Sie mit Ihrem Wirken neue Akzente setzen?
Ich bin der festen Überzeugung, dass verschiedene kulturelle Erfahrungen einander bereichern können. Italien ist für uns Deutsche immer ein wunder-barer Gastgeber gewesen. Der gegenwärtige Populismus droht dieses Bild von Italien zu trüben. Ich setze darauf, dass wir gemeinsam mit den römischen Kulturschaffenden zeigen, dass Kunst ermutigen kann, die Angst vor dem Fremden in fruchtbare und freudvolle Neugier zu verwandeln.






Weitere Informationen zu Stipendiaten und Veranstaltungen auf:
www.villamassimo.de

Fotos: Villa Massimo, Alberto Novellif
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